Ökologische Milchkuh-Haltung
Ist die Bio-Kuh glücklicher?
Im ökologischen Landbau sollen die Nutztiere ihre arteigenen Verhaltensweisen möglichst uneingeschränkt ausleben können. Ob es der Bio-Kuh besser als der Hochleistungskuh geht, kann daraus nicht per se abgeleitet werden. Darüber entscheidet letztendlich die Praxis: die Situation in den einzelnen Betrieben, das Management und das Know-how und Engagement des Landwirtes.
Gesetzlich verankert: Die Bio-Tierhaltung

Foto: Roesicke
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Bereits 1991 hat die EU die Verordnung zum ökologischen Landbau erlassen (EWG-Verordnung Nr. 2092/91), die den gemeinschaftlichen Rahmen für die Erzeugung, Kennzeichnung und Kontrolle im ökologischen Landbau vorgibt. 1999 hat der Agrarrat eine Ergänzung zur ökologischen Tierhaltung verabschiedet (EG-Verordnung Nr. 1804/1999).
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Seit dem 24. August 2000 gelten diese Ergänzungen in allen EU-Ländern und damit einheitliche Mindeststandards für die ökologische Tierhaltung. Seit dem 1. Januar 2009 gilt die neue Öko-Verordnung, die die Verwendung des EU-Bio-Logos auf verpackten Lebensmitteln für die gesamte EU vorschreibt. Die Standards der ökologischen Anbauverbände in Deutschland gehen teilweise über diese gesetzlich festgelegten Anforderungen hinaus. Zu den anerkannten Anbauverbänden des ökologischen Landbaus in Deutschland zählen Demeter, Bioland, Biokreis, Naturland, GÄA, Ecoland, Ecovin und Biopark.
Viel Platz und frische Luft
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Im Öko-Stall muss jeder Kuh ein Raum von mindestens sechs Quadratmetern zur Verfügung stehen. In konventionellen Ställen gibt es nur eine gesetzlich vorgeschrieben Größe für die Fläche der Liegeboxen: Sie beträgt mindestens drei Quadratmeter. Wenn keine Liegeboxen vorhanden sind, wird aber auch hier ein Platzbedarf von sechs Quadratmeter empfohlen. Die Besatzdichte im Stall soll den Tieren Komfort und Wohlbefinden gewährleisten.
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Milchkühe im Einflächen-Tiefstreustall
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Der Ruhebereich in Öko-Ställen muss eingestreut sein - bei konventioneller Haltung sind neben der Einstreu auch Liegematten möglich. Die Anbindehaltung ist eigentlich bei Bio-Kühen nicht zulässig, dennoch gibt es für Betriebe mit diesem Haltungssystem eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2010. Auch in der konventionellen Tierhaltung werden keine Anbindeställe mehr gebaut, da sie nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Alle Öko-Kühe haben gesetzlichen Anspruch auf Auslauf an der frischen Luft oder auf Weide, konventionelle Kühe nicht.
Möglichst viel Futter aus eigenem Anbau
Öko-Kühe müssen mit möglichst im eigenen Betrieb erzeugten Öko-Futter versorgt werden. Der größte Teil des Futterbedarfes soll durch das Grundfutter abgedeckt werden. Da die Basis der Milchkuhfütterung ohnehin das betriebseigene Grundfutter ist, unterscheidet sich die Fütterung der Bio- von der Hochleistungskuh hauptsächlich beim Kraftfutter. Bei vergleichbarer Kraftfuttermenge steht die Milchleistung von Bio-Kühen den konventionellen Tieren in Nichts nach. Allerdings steht im Bio-Betrieb weniger Milch für den menschlichen Konsum zur Verfügung, da das Kalb während der ersten drei Lebensmonate natürliche Milch erhält.
Keine Hormone und Antibiotika
Genau wie in der konventionellen Tierhaltung dürfen in der ökologischen Tierhaltung keine antibiotischen Leistungsförderer im Tierfutter zur Verbesserung der tierischen Leistungen eingesetzt werden. Hormone und Antibiotika dürfen in der ökologischen sowie der konventionellen Tierhaltung nur im Rahmen einer tiermedizinischen Behandlung, also bei Krankheit verabreicht werden. In der konventionellen Milchviehhaltung ist allerdings der Einsatz von Hormonen zulässig, um zum Beispiel den Zeitpunkt der Besamung und damit den Kalbetermin zu beeinflussen (Brunstsynchronisation, Embryotransfer). Dadurch werden die Arbeitsabläufe und Tierkontrollen vereinfacht. Brunstsynchronisation und Embryotransfer sind für die Praxis aber von geringer Bedeutung, da sie mit sehr hohen Kosten verbunden sind. Sie spielen eher in sehr großen Betrieben beziehungsweise Zuchtbetrieben eine Rolle. Sowohl konventionelle als auch Bio-Kühe können Schutzimpfungen erhalten, wenn die Gefahr ansteckender Seuchen besteht.
Antibiotika sind als Leistungsförderer in allen landwirtschaftlichen Betrieben tabu. In konventionellen Betrieben, vor allem solchen, die Probleme mit der Eutergesundheit haben, können beim Trockenstellen allerdings antibiotische Trockensteller verwendet werden. Diese sind verschreibungspflichtig, das heißt, man bekommt sie nur über einen Tierarzt. Trockenstellen heißt, dass die Milchbildung gestoppt werden soll. Das ist spätestens sechs Wochen vor der Kalbung sinnvoll, damit der Kuh genügend Nährstoffe für das ungeborene Kalb zur Verfügung stehen und sie Energie für die hohen Milchleistungen nach der Geburt sammeln kann. Das Trockenstellen wird erreicht, indem man auf Kraftfutter in der Ration verzichtet und die Kuh nicht mehr melkt.
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Wenn einer kranken Kuh im Ökobetrieb nicht mit homöopathischen Mitteln und Pflanzenarzneien geholfen werden kann, darf zum Wohle des Tieres auch ein Antibiotikum verabreicht werden. Allerdings gelten dann besonders strenge Wartezeiten für die Produkte. Eine weitere Ausnahme wird im Öko-Landbau auch für die Parasitenbekämpfung gemacht: Da es zurzeit keine bekannten alternativen Mittel gibt, dürfen bei Parasitenbefall auch konventionelle Mittel angewendet werden.
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Tierarzt untersucht Kuh
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Antje Elfrich, Brühl
Dr. Elisabeth Roesicke, aid