Hormone und Antibiotika
Dürfen dem Futter Hormone und Antibiotika zugesetzt werden?
Der Einsatz von Hormonen und Antibiotika im Tierfutter zur Verbesserung der tierischen Leistungen ist weder in Deutschland noch in den anderen EU-Ländern erlaubt. Trotzdem hält sich hartnäckig die Meinung, dass viele unserer Nutztiere automatisch und tagtäglich damit gefüttert werden. Gerade große Tierhaltungen werden damit oft in Verbindung gebracht.
EU-Hormonverbot seit 1988
Fütterungshormone wurden in der Vergangenheit eingesetzt, weil sie die Futterverwertung der Tiere deutlich verbessern. Die Futterverwertung beschreibt, wie viel Kilogramm Futter ein Tier fressen muss, um ein Kilogramm Fleisch zuzunehmen. Das heißt, mit weniger Futter nahmen die Tiere vergleichsweise genauso schnell oder noch schneller zu als bei einer Fütterung ohne Hormone.
Wegen möglicher gesundheitlicher Risiken für den Menschen und aufgrund des veränderten Ethik- und Umweltbewusstseins ist der Einsatz von Fütterungshormonen in der Tiermast im Jahr 1988 jedoch EU-weit verboten worden. Trotzdem kam es im selben Jahr zu einem Hormonskandal in der Kälberhaltung, der die gesamte Landwirtschaft in Verruf brachte. Dazu trug auch in den 90-er Jahren ein weiterer illegaler Fall bei, bei dem hormonbelastete Arzneimittelabfälle in Getränke und Futtermittel und so in den Nahrungskreislauf gelangt waren. Dies hat zur Verunsicherung der Verbraucher geführt und bei vielen Konsumenten hält sich seitdem hartnäckig die Meinung, dass alle Nutztiere mit Hormonen gefüttert werden. Das ist nicht der Fall. Illegaler Medikamenteneinsatz in der Tierhaltung stellt die Ausnahme und nicht die Regel dar, ist verboten und wird hart bestraft.
EU-Antibiotikaverbot seit 2006
Fütterungsantibiotika wurden bis Ende 2005 als Leistungsförderer eingesetzt, weil sie viele positive Wirkungen haben: Sie stabilisieren den Darm, fördern die Leistung und steigern die Gesundheit der Tiere. Die vorbeugende Verfütterung dieser Antibiotika überdeckte allerdings mögliche Schwächen eines Betriebes, zum Beispiel durch schlechtes Management oder hygienische Mängel. Durch das erfolgte Antibiotikaverbot ist der Tierhalter nun gezwungen, seine Hygienestandards zu verbessern und die Tiere optimal zu kontrollieren und zu versorgen.
Der Einsatz von Antibiotika in der Tierfütterung ist seit dem 1. Januar 2006 verboten. Zu den Gründen für das Verbot zählen:
- Es könnten sich auch bei humanpathogenen Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika bilden,
- man befürchtet ein erhöhtes Allergierisiko und
- viele Verbraucher akzeptieren den Einsatz nicht.
Ausgenommen von diesem Verbot sind allerdings Antibiotika, die als Kokzidiostatika und Histomonostatika verwendet werden. Diese beiden Mittel gelten zurzeit noch als unerlässlich in der Bekämpfung bestimmter Parasiten des Geflügels, die zum einen die Kokzidiose, zum anderen die Schwarzkopfkrankheit hervorrufen. Bis zum Jahresende 2012 soll eine Entscheidung gefällt werden, ob und wie auf die Verfütterung der beiden Mittel verzichtet werden kann.
Autorinnen: Antje Elfrich, Brühl und Elisabeth Roesicke, aid