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Stielmus

Brassica rapa var. rapa


Synonyme

Rübstiel, Stängelmus, Kniesterfinken, Strippmaus, Streifmus


Geschichte und Besonderheiten

Stielmus – häufig auch Rübstiel genannt – gehört botanisch zu den Kohlgewächsen (Brassicaceae) und hat vor allem in Westfalen, im Rheinland sowie in Teilen der Niederlande eine lange Tradition. Im Ruhrgebiet war er bis in die 1970er Jahre noch in vielen Gärten der Bergleute anzutreffen. In diesen Regionen findet man heute daher noch eine ganze Menge Rezepte für das zarte Stängelgemüse, auch wenn das Wissen über den Anbau dieser Nutzpflanze leider etwas verloren gegangen ist. 

Mittlerweile hält Stielmus wieder mehr und mehr Einzug in deutsche Hobbygärten und Küchen. Dies nicht ohne Grund, denn Stielmus hat allerhand zu bieten: Das Gemüse schmeckt gut, ist sehr gesund und lässt sich vielseitig in der Küche verwenden. Zudem – und das ist für den Hobbygärtner interessant – stellt Stielmus sehr geringe Ansprüche an Boden und Klima. Wegen seiner extrem kurzen Wachstumszeit ist es eines der ersten Freilandgemüse im Frühjahr. Schon ab Ende April – noch vor dem Spinat – kann geerntet werden.

 

Dicke, weiße Stängel der Rübstielpflanze (Foto: magicgardenseeds.de) 
Rübstiel ist ein sehr einfach zu kultivierendes Gemüse (Foto: magicgardenseeds.de)
Wie der Name „Rübstiel“ schon verrät, werden bei diesem Gemüse nur die Blattstiele – und zwar die der Mai- oder Herbstrübe – verwendet. Alle anderen Pflanzenorgane finden den Weg in die Küche nicht. Selbst die Blätter, die ja üblicherweise das Haupterntegut bei Kohl darstellen, werden bei Stielmus vor dem Kochen entfernt, da sie meist hart, rau und bitter sind. Man streift – oder „strippt“ – sie von den Blattstielen, weswegen das Gemüse auch die Namen „Streifmus“ oder „Strippmus“ erhielt. Bei neueren Züchtungen sind die Blätter mittlerweile weicher und weniger bitter, sodass man diese mitessen kann.


Kulturtipps

Stielmus ist sehr einfach zu kultivieren. Die Pflanzen gedeihen sowohl in praller Sonne als auch im Halbschatten. Ausgesät wird Rübstiel für die frühe Ernte ab Anfang März oder als Herbstkultur im September. Wenn Sie Mai- oder Herbstrüben zur Gewinnung von Stielmus verwenden, ist es wichtig, dass Sie die Samen sehr dicht säen: Abstand in der Reihe 0,5 bis 1 cm, Reihenabstand etwa 10 bis 15 cm. Dadurch wird die Ausbildung des Rübenkörpers unterdrückt und die Bildung von dicken Blattstielen gefördert. Sollten sich doch einmal kleine Rübchen gebildet haben, können Sie diese ganz einfach wie Radieschen mitessen.

Etwas anders sieht es bei der Aussaat von neueren Stielmus-Sorten wie 'Namenia' und 'Hymenia' aus. Da diese Sorten keine Rübe bilden, können Sie die Samen in weiteren Abständen säen (bitte Packungsangaben beachten). 'Namenia' bildet bei weitem Stand kräftige Schöpfe mit zahlreichen cremeweißen Stielen und geschlitzten mittelgrünen Blättern. Die Sorte 'Hymenia' ist ähnlich wie 'Namenia', hat jedoch breitere Blattstiele.

Rübstiel mit weißen Stängeln und zarten grünen Blättern (Foto: aid) 
Bei den neuen Züchtungen kann neben den Stängeln auch das Blatt gegessen werden  
Eine Düngung ist meist nicht notwendig. Um zu verhindern, dass Erdflöhe Löcher in das kostbare Gemüse knabbern, können Sie Ihre Pflanzen zum Schutz mit Insektenschutznetzen oder Gemüsevliesen abdecken. Da Erdflöhe vor allem bei Trockenheit auftreten, hilft auch regelmäßiges Wässern. Aufgrund der gefürchteten Kohlhernie gilt für den Anbau von Kohlgewächsen: Höchstens alle vier bis fünf Jahre auf das gleiche Beet. Dies gilt auch für die zahlreichen anderen Kreuzblütler wie zum Beispiel Rettich, Radies, Brokkoli und Senf. 


Ernte und Lagerung

Etwa fünf bis sieben Wochen nach der Aussaat können Sie bereits ernten. Das heißt, wenn Sie frühzeitig im März gesät haben, ist Ende April bereits die erst Ernte möglich. Zur Ernte zieht man entweder die ganze Rosette samt Wurzel aus dem Boden oder man schneidet die Stängel nach Bedarf einzeln von der Pflanze, etwa 2 cm über dem Boden. Der Rübstiel ist schnittreif ab einer Höhe von etwa 10 bis 15 cm. Wenn Sie die Herzblätter stehen lassen, wachsen die Blätter nach und ermöglichen meist noch eine zweite Ernte.

Da Stielmus im Kühlschrank nur etwa 1 bis 2 Tage frisch bleibt, sollten Sie ihn am besten gleich nach der Ernte - oder dem Einkauf - zubereiten.


Verwendung in der Küche

Die jungen, fein säuerlich schmeckenden Blattstiele werden je nach Rezept fein oder grob geschnitten ähnlich wie Spinat oder Mangold verwendet. Man reicht sie entweder gedünstet als Beilage zu Fleischgerichten oder verarbeitet sie in Gemüsegerichten. Ein Klassiker in Westfalen ist der Rübstiel-Eintopf mit Kartoffeln und Rindfleisch. In den Niederlanden ist Stielmus häufig Bestandteil von „Stamppot“ – einer Mischung aus gedünstetem Rübstiel, Stampfkartoffeln und gebratenem Speck. Mildere Sorten wie 'Namenia' können Sie, ähnlich wie Endivie, mitsamt Blättern auch hervorragend roh in Salaten verzehren.

Stielmus enthält viel Vitamin C und Provitamin A, gesundheitsfördernde Senfglycoside sowie zahlreiche Mineralstoffe.


Jörg Planer, Bonn

Artikel erstellt: 24.04.2007
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