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Kohlenhydrate im Mittelpunkt der Therapie

Wie wirken Kohlenhydrate auf den Blutzuckerspiegel?


Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln und Hülsenfrüchte

Kohlenhydratreiche Lebensmittel

Kohlenhydrate spielen in der Ernährung für Diabetiker eine besondere Rolle, weil sie den Blutzuckerspiegel direkt mehr oder weniger stark erhöhen. Kohlenhydrate sind als Zucker und Stärke in den Lebensmitteln enthalten. Damit der Körper die Kohlenhydrate nutzen kann, werden diese beim Abbau im Darm durch Enzyme in ihre Bausteine (Traubenzucker = Glucose) zerlegt. Das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird. 

Diabetiker, die Insulin spritzen, müssen die zu spritzende Insulinmenge auf Menge und Art der Kohlenhydrate in den Mahlzeit abstimmen. Um die Kohlenhydratmenge in Lebensmitteln abschätzen zu können, werden als Maß zwei Einheiten verwendet, wobei letztere nur noch selten eingesetzt wird:

  • 1 Kohlenhydrateinheit (KE) = 10 g Kohlenhydrate
  • 1 Broteinheit (BE) = 12 g verwertbare Kohlenhydrate

Für die Umrechnung in Lebensmittel gibt es praktische Kohlenhydrataustauschtabellen. Darin sind die kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel in Gruppen zusammengefasst, die in ihrer Wirkung auf den Blutzucker vergleichbar sind. Nahrungsmittel innerhalb einer Gruppe lassen sich gegeneinander austauschen. Den Umgang mit den Austauschtabellen, die regelmäßige Blutzuckerkontrolle und die Anpassung von Insulingabe und Kohlenhydratzufuhr erlernen Diabetiker in speziellen Diabetikerschulungen. Informationen hierüber gibt der behandelnde Arzt.

 

Trotz gleicher Kohlenhydratmenge steigt der Blutzucker bei verschiedenen Nahrungsmitteln unterschiedlich schnell oder langsam an. Diese sogenannte Blutzuckerwirksamkeit eines Nahrungsmittels wird durch den glykämischen Index beschrieben. Lebensmittel, die den Blutzucker schnell in die Höhe treiben, haben einen hohen glykämischen Index. Es wird viel Insulin gebraucht, um den Blutzuckerspiegel wieder abzusenken. Hierzu zählen beispielsweise Zucker und alle mit Zucker gesüßten Lebensmittel und Getränke sowie Weißbrot und weißer Reis.

 

Nach dem Genuss von Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index steigt der Blutzuckerspiegel nur langsam und nicht so hoch an. Es wird weniger Insulin gebraucht. Zu den Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index gehören Vollkorn-Produkte, Hülsenfrüchte sowie viele Gemüse-, Salat- und Obstsorten. Diese Lebensmittel sind reich an Ballaststoffen, die die Aufnahme von Zucker ins Blut verlangsamen.
Für die Blutzuckereinstellung ist es günstig, wenn Diabetiker bei den kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln solche mit einem niedrigen glykämischen Index bevorzugen.

 

Welche Süßungsmittel sind für Diabetiker geeignet?

Verschiedene SüßungsmittelZucker und gezuckerte Lebensmittel sind für Diabetiker nicht tabu. 10 % der Kalorien am Tag (30-50 g/d) können aus Zucker und gezuckerten Lebensmitteln bestehen. Doch Vorsicht: Die "versteckten Zucker", zum Beispiel in Konfitüre, Gebäck oder Limonade, zählen ebenfalls hierzu.

Zum Süßen können Diabetiker auch Süßstoffe wie Saccharin, Acesulfam-K oder Cyclamat verwenden. Süßstoffe haben eine wesentlich höhere Süßkraft als Saccharose (Haushaltszucker). Sie liefern jedoch keine Kalorien und erhöhen nicht den Blutzuckerspiegel. Nahrungsmittel, die Süßstoffe enthalten, tragen einen entsprechenden Hinweis. Sie lassen sich auch anhand einer E-Nummer erkennen.

 

Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose, Sorbit, Isomaltit oder Xylit haben im Gegensatz zu den Süßstoffen einen ähnlichen hohen Energiegehalt wie Saccharose. Zwar lassen sie den Blutzuckerspiegel nicht so rasant ansteigen, liefern aber trotzdem Kohlenhydrate. Bei übermäßigem Verzehr können sie zu Durchfällen führen. Bis auf eine verminderte Kariesbildung haben sie daher für Diabetiker keine Vorteile.

 

Diabetiker-Lebensmittel – nicht zu empfehlen

„Diabetiker-Lebensmittel“ sind speziell für Diabetiker hergestellte Produkte. Dabei handelt es sich überwiegend um Süßwaren, bei denen in der Regel nur der Zucker durch Zuckeraustauschstoffe, Süßstoffe oder eine Kombination aus Zuckeraustauschstoffen und Süßstoffen ersetzt wurde. Sie erwecken den Eindruck, Diabetiker könnten davon ohne Anrechnung der Kohlenhydrate beliebige Mengen verzehren oder trinken.
Doch Diabetiker-Lebensmittel enthalten genau so viele oder oft sogar mehr Kalorien als normale Lebensmittel. Denn in den meisten Diabetiker-Produkten steckt vor allem viel Fett und das fördert eine Gewichtszunahme. Daher forderten Fachleute schon seit längerem eine Änderung der Diätverordnung. Dem hat die Regierung nun Rechnung getragen: Nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren, also bis Ende 2012, dürfen Lebensmittel nicht mehr als spezielle Diabetikerkost produziert und gekennzeichnet werden. Allerdings müssen Diabetikerlebensmittel erst mit dem Abverkauf der produzierten Ware und dem Ablauf ihres Mindesthaltbarkeitsdatums endgültig aus den Regalen verschwinden.

 

 

Alkohol für Diabetiker - in Maßen erlaubt

 

Alkoholische Getränke sind für Diabetiker kein Tabu. In Maßen sind sie erlaubt, vorausgesetzt, der Arzt ist einverstanden. Alkohol bewirkt einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels, der danach rapide absinkt. Der Alkohol kann die Ursache für eine gefährliche Unterzuckerung (Hypoglykämie) sein, die auch noch Stunden nach dem letzten Gläschen auftreten kann. Deshalb sollten Diabetiker die Wirkung von Wein, Bier, Sekt & Co. im Körper richtig einschätzen können.

Ein Glas mit Weißwein und eines mit Bier (Foto: © iStockphoto.com / Peter Raneri)
Diabetiker sollten um die Wirkung alkoholischer Getränke wissen (Foto: © iStockphoto.com / Peter Raneri).

 

Als Faustregel gilt: Männer sollten nicht mehr als zwei Gläser Bier (0,2 l/Glas), Wein (0,1 l/Glas) oder Schnaps (2 cl/Glas) trinken, Frauen nur die Hälfte.

Vorsicht ist vor allem bei süßen Weinen, Schaumweinen, Likören und Cocktails geboten. Sie enthalten viel Zucker und lassen den Blutzucker besonders schnell und hoch ansteigen. Alkoholfreie Biere bieten auch keine Vorteile. Sie enthalten zwar kaum Alkohol (unter 0,5 Prozent), dafür aber viel Malzzucker und haben somit ungünstige Kohlenhydrate. „Diätbier“ enthält in der Regel mehr Alkohol, aber weniger Kohlenhydrate. Die Gefahr der Unterzuckerung steigt! Für Diabetiker eher geeignet sind trockene Rot- oder Weißweine, Sektsorten mit dem Zusatz „trocken“ oder extra trocken“ sowie Branntweine wie Calvados, Ouzo, Aquavit, Whisky oder Wodka. Um eine Unterzuckerung zu vermeiden, sollten Diabetiker während des Genusses von Alkohol den Blutzucker häufiger kontrollieren.


Autorinnen: Dorle Grünewald-Funk, Berlin und Maren Krüger, Hilden


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Stand: 29.09.2010
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