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Häufige Fragen von Schwangeren

Welche Fragen zur Ernährung beschäftigen Schwangere noch?


Die Sorge um die Gesundheit des Kindes fängt früh an. Werdende Mütter machen sich deshalb besonders viele Gedanken um ihre Ernährung. Sie fragen sich zum Beispiel, wie viel Kaffee oder Alkohol sie trinken dürfen oder ob auch eine vegetarische Ernährung möglich ist.


Bekommt mein Kind alle Nährstoffe, die es braucht, wenn ich mich gesund ernähre oder muss ich Nahrungsergänzungsmittel nehmen?

Kann ich mich in der Schwangerschaft vegetarisch ernähren?

Darf ich gelegentlich ein Gläschen Sekt oder Wein trinken?

Muss ich ganz auf Kaffee verzichten? Und wie ist das mit koffeinhaltigen (Erfrischungs)-Getränken?

Man soll während der Schwangerschaft ja keine Leber essen, gilt das auch für Leberwurst?

Welche Kräuter sind während der Schwangerschaft schädlich?



Bekommt mein Kind alle Nährstoffe, die es braucht, wenn ich mich gesund ernähre oder muss ich Nahrungsergänzungsmittel einnehmen?


Bei den meisten Nährstoffen können Sie die für die Schwangerschaft empfohlene Zufuhr durch eine abwechslungsreiche Ernährung problemlos decken. Ausnahmen sind nach heutigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand Folsäure (im ersten Drittel der Schwangerschaft), Jod und in manchen Fällen auch Eisen und Kalzium (Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft).   einzelne Tabletten
Schwangere sollten Folsäure und Jod nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen
(Foto: © Michael Kempf - Fotolia.com).
Eine Ernährungserhebung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat gezeigt, dass nur etwa jede zehnte Frau genügend Folsäure zu sich nimmt. Da schon kurz nach der Empfängnis vermehrt Folsäure benötigt wird, sollten alle Frauen, die schwanger werden wollen, zusätzlich zur normalen Ernährung 400 Mikrogramm synthetische Folsäure in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen. Beginnen Sie also schon frühzeitig mit der Einnahme eines Präparates und nehmen Sie es bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche ein.

Auch beim Jod ist eine ausreichende Zufuhr nicht immer gewährleistet. Schwangeren wird deshalb empfohlen, nach Rücksprache mit ihrem Arzt täglich 100-150 Mikrogramm Jod in Tablettenform einzunehmen. Eisenpräparate sollten Sie nicht prophylaktisch verwenden, damit es nicht zu einer Überversorgung kommt. Sie sollten sie nur dann nehmen, wenn der Arzt einen Eisenmangel festgestellt hat. Den Bedarf an Kalzium können Sie mit Lebensmitteln, insbesondere durch genügend Milchprodukte, decken. Wenn Sie jedoch Milchprodukte meiden, sollte Sie in Absprache mit einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft gezielt nach Alternativen suchen und eventuell ein Kalziumpräparat einnehmen.

Weitere Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel nicht erforderlich. Wenn Sie dennoch nicht darauf verzichten möchten, sind Präparate mit niedriger Dosierung - 100 Prozent der Zufuhrempfehlung - völlig ausreichend. Nehmen Sie auf keinen Fall gleichzeitig verschiedene Nahrungsergänzungsmittel mit ähnlicher Zusammensetzung ein.

Weitere Informationen finden Sie in den Beiträgen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel.


Kann ich mich in der Schwangerschaft vegetarisch ernähren?


Schwangere mit gefüllter Einkaufstasche
Milch und Milchprodukte sollten bei Schwangeren in jedem Fall auf der Einkaufsliste stehen
(Foto: © AVAVA - Fotolia.com).
Sie können sich während der Schwangerschaft auch vegetarisch ernähren, wenn Sie bewusst auf eine abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl achten. Auf jeden Fall sollten auch Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Milchprodukte und Eier auf Ihrem Speiseplan stehen. Mit rund 450 Gramm Milchprodukten am Tag und zwei bis drei Eiern pro Woche ist eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß und Vitamin B12 gewährleistet. Eine vegane Ernährung, also eine Kost ohne jegliche tierische Lebensmittel, ist in der Schwangerschaft ohne die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (vor allem Vitamin B12) nicht zu empfehlen, da die Gefahr von gravierenden Mangelerscheinungen beim Kind besteht. Schwangere, die sich weiterhin vegan ernähren möchten, sollten auf jeden Fall eine qualifizierte Fachkraft für Ernährungsberatung hinzuziehen.
 


Darf ich gelegentlich ein Gläschen Sekt oder Wein trinken?


Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn es ist nicht genau bekannt, ab welcher Menge Alkohol dem ungeborenen Kind schadet. Deshalb empfehlen Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung "null Promille für Mutter und Kind". Um das Risiko von Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen des Embryos sowie spätere Alkoholprobleme beim Kind möglichst gering zu halten, empfehlen Frauenärzte sogar schon auf Alkohol zu verzichten, sobald eine Schwangerschaft möglich ist. Es spricht jedoch nichts dagegen, gelegentlich ein Glas alkoholfreien Sekt, Wein oder Bier zu genießen.


Muss ich ganz auf Kaffee verzichten? Und wie ist das mit koffeinhaltigen (Erfrischungs)-Getränken?


Es ist nicht notwendig, während der Schwangerschaft vollständig auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten. Hohe Mengen an Koffein können dem ungeborenen Kind jedoch schaden. Koffein wird im Verdauungstrakt rasch aufgenommen und kann die Plazenta frei passieren, das heißt die Koffeinkonzentration im Blutplasma des Fetus gleicht jener der Mutter. Auch die Wirkungen sind vergleichbar: Erhöhung des Herzschlages und Aktivierung des Nervensystems. Der Koffeinspiegel bleibt beim Baby sogar länger erhöht, da sein Organismus die Substanz langsamer abbaut.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind bei einem moderaten Konsum von bis zu 300 Milligramm Koffein keine negativen Folgen zu erwarten. Das entspricht etwa drei Tassen Kaffee pro Tag. Colagetränke und Energy-Drinks enthalten bis zu 80 Milligramm Koffein pro Glas und damit nur etwas weniger als Kaffee. Eine Tasse schwarzer oder grüner Tee enthält durchschnittlich 50 Milligramm Koffein. Schwangere auf Bürostuhl mit Kaffeetasse auf Bauch
Foto: © Forgiss - Fotolia.com 

Tipp im Web


Man soll während der Schwangerschaft ja keine Leber essen, gilt das auch für Leberwurst?


Leber enthält sehr viel Vitamin A, das in sehr großen Mengen dem Baby schaden kann. Als besonders kritische Phase für eine fruchtschädigende Wirkung von Vitamin A gilt die dritte bis neunte Schwangerschaftswoche. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten Schwangere im Durchschnitt höchstens drei Milligramm Vitamin A pro Tag aufnehmen.
angeschnittene Leberwurst mit Pistazien
Foto: © Lucky Dragon - Fotolia.com 
Da bereits kleine Portionen von 100 Gramm Rinder-, Kalbs- oder Schweineleber deutlich mehr Vitamin A enthalten können, wird Schwangeren empfohlen, im ersten Schwangerschaftsdrittel auf Leber zu verzichten. Leberwurst und -pastete enthalten weniger Vitamin A (1,5 mg pro Portion von 30 g), da sie nicht zu 100 Prozent aus Leber bestehen. Die Maximalempfehlung von drei Milligramm wird also erst mit zwei Portionen am Tag erreicht.  

Im zweiten und letzten Drittel der Schwangerschaft ist eine zu hohe Vitamin-A-Aufnahme nicht mehr problematisch. Grundsätzlich sollten Innereien jeglicher Art jedoch nur gelegentlich, das heißt höchstens alle zwei bis drei Wochen, gegessen werden. Weitgehend unbedenklich ist dagegen die Aufnahme der Vorstufe des Vitamin A, das in Form von Beta-Carotin natürlicherweise in Gemüse und Obst oder als Zusatz in Multivitaminsäften vorkommt.

Tipp im Web


Welche Kräuter sind während der Schwangerschaft schädlich?


Sie können während der Schwangerschaft grundsätzlich alle Gewürze und Kräuter für die Zubereitung Ihrer Speisen oder zur Herstellung von Kräutertees verwenden. Bei folgenden Kräutern sollten Sie die Mengen jedoch begrenzen: 

  • Petersilie enthält Wirkstoffe, die in großen Mengen die Gebärmutter stimulieren. Diese Stoffe sind unproblematisch, wenn Sie pro Mahlzeit nur einige Stängel Petersilie verwenden.
Petersilie
Foto: © Stephan Killewald - Fotolia.com 
  • Süßholzwurzel ist ein Bestandteil von Lakritzen und Kräutertees. Sie enthält Glycyrrhizin, eine Substanz, die in sehr hohen Mengen vermutlich das Risiko für Frühgeburten erhöht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Schwangeren, davon nicht mehr als 100 Milligramm pro Tag aufzunehmen, eine Menge, die bereits mit 50 Gramm Lakritzen erreicht werden kann. Daher sollten Sie täglich nicht mehr als 2-3 Tassen von Kräuterteemischungen mit Süßholzwurzel trinken. 
  • Fenchel, Anis und Lemongras enthalten Stoffe, die im Tierversuch in hohen Konzentrationen Krebs erregend sind. Aus Vorsorgegründen empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung, diese Teesorten nicht langfristig in hohen Mengen zu konsumieren. 
  • Wildkräuter sollten Sie sehr sparsam verwenden, denn sie haben oft höhere Gehalte an Wirkstoffen.

Sorgen Sie sowohl bei den Gewürzen als auch bei den Kräutern für viel Abwechslung. Dann können Sie sicher sein, dass diese keine schädlichen Auswirkungen haben. Kräuter, die roh verzehrt werden, sollten Sie zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen gründlich waschen.

Dr. Maike Groeneveld, Bonn

Weitere Informationen zum Thema

Artikel erstellt: 03.11.2008
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